Gastbeitrag „China im Wandel“

03.04.2016

Eine hohe Volatilität an den chinesischen Aktienmärkten und die Sorge über den wirtschaftlichen Ausblick haben in den vergangenen Monaten weltweit für Verunsicherung gesorgt. Angesichts der sich abschwächenden Wirtschaft und der Überkapazitäten in einigen Sektoren bleibt die Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft eine Herausforderung, welche jedoch notwendig ist.

In der Vergangenheit wurde das chinesische Wirtschaftswachstum überwiegend von der Exportindustrie angetrieben. Den größten Beitrag lieferten die Bauindustrie und die Herstellung von Unterhaltungstechnik. Doch dieses alt bewährte Modell kommt zunehmend ins Wanken. Einerseits hat die Umwelt in den letzten Jahren stark unter dem schnellen Wachstum der Fabrikproduktion gelitten. Zusätzlich stiegen die Lohnkosten, die Gesellschaft wurde älter und günstigere Konkurrenz aus Staaten in Südostasien und Afrika nahm zu. Aus diesen Gründen funktioniert das alte Geschäftsmodell „als Werkbank der Welt“ nicht mehr so gut wie früher und die Regierung in Peking musste sich strategisch anders ausrichten. Jetzt setzt die Regierung zunehmend auf „qualitatives Wachstum“, in dem Hochtechnologie in China nicht nur hergestellt, sondern auch erfunden werden soll. Dadurch sollen die Löhne weiter steigen, der Binnenkonsum anziehen, und der Dienstleistungssektor stärker wachsen. Laut aktuellen Statistiken machte die Dienstleistungsbranche bereits im Jahr 2015 über 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Im Jahr 2014 waren es hingegen 48,1 Prozent. Zudem sollen strukturelle Reformen und Investitionen in die Binnenwirtschaft in den nächsten Jahren verstärkt werden. Entsprechend bleiben Reformen, welche die Nachhaltigkeit der chinesischen Wirtschaft stützen, weiterhin von zentraler Bedeutung. Mit dieser Ausrichtung sind sowohl Chancen, aber auch Risiken verbunden. Auf dem Weg dorthin muss wohl mit höherer Volatilität und Anpassungsschwierigkeiten gerechnet werden. Davon werden vor allem rohstoffexportierende Länder und wichtige Handelspartner Chinas, darunter auch Deutschland, betroffen sein.

Geng Jun Wu, Geschäftsführender Gesellschafter der Pateo Investment GmbH aus Berlin und Kooperationspartner der FINANCIAL PLANNING Freiburg.