Finanzmarktbericht

02.07.2018

Das bestimmende Thema an den internationalen Kapitalmärkten ist der sich fortsetzende Handelskonflikt zwischen den USA und anderen Exportländern, durch den sich die Stimmung an den Anlagemärkten deutlich eingetrübt zeigt.

Als exportorientierte Nation ist Deutschland von den durch die USA erhobenen Schutzzöllen in besonderem Maße betroffen. Belastend wirkte dies unter anderem auch auf den Deutschen Aktienindex (DAX). Im ersten Halbjahr 2018 gibt der Index rund 4,4 Prozent nach.

Im Gegensatz dazu stieg die Nachfrage nach Bundesanleihen, die als „sicherer Hafen“ gelten. Der Index REXP verbucht seit Jahresbeginn einen Kursgewinn von 0,9 Prozent. Im gleichen Zeitraum fällt die zwi­schenzeitlich auf 0,55 Prozent gestiegene Umlaufrendite auf 0,18 Pro­zent.

Eingetrübt hat sich auch der Euro-Kurs. Der Euro gibt seit dem Jahreshoch von 1,25 US-Dollar um ca. 6,5 Prozent nach und kostet nun nur noch knapp 1,17 US-Dollar. Mit dieser Euro-Kursschwäche war nicht ohne Weiteres zu rechnen, da der Euro bereits bei einem Stand von 1,25 (EUR/USD) als fundamental unterbewertet galt.

Es scheint sich zu bewahrheiten, dass es in einem Handelskonflikt mehrheitlich Verlierer gibt. Dennoch halten sich die wirtschaftlichen Verluste bisher in Grenzen. Die erhobenen Zölle sind im Vergleich zur Wirtschaftsleistung der betroffenen Staaten marginal. Dass aus dem Handelskonflikt ein Handelskrieg erwächst, ist nicht sehr wahrscheinlich – da für alle Beteiligten zu viel auf dem Spiel steht. Und so bleibt die Hoffnung, dass sich die Wogen diesbezüglich glätten.

International machen die Unternehmen noch immer gute Geschäfte. Faire Börsenbewertungen bieten bis zum Jahresende grundsätzlich Potenzial für Kursgewinne. Für eine Ausweitung der Aktienengagements ist es unseres Erachtens aktuell jedoch noch zu früh. So veranlassten uns der schwelende Handelskonflikt mit den USA, die Währungsentwicklung des Euro zum US-Dollar (US-Anleger sind die Hauptinvestoren des DAX) und die sich eintrübenden Einkaufsmanagerindizes dazu, vorerst kein Aktienprodukt mit Zielmarkt Deutschland in die Vermögensverwaltungen zu kaufen, nach dem wir die Aktienquoten bereits im Februar - größtenteils durch Verkauf eines DAX ETFs - senkten.

Eine große Herausforderung der globalen Geldanlage sehen wir in der Währungsanalyse der Leitwährung US-Dollar. Da der US-Dollar bereits im letzten Jahr als überbewertet galt, hatten wir uns in unserer Produkt­selektion mehrheitlich auf Anlagen konzentriert, die die Möglichkeit zur Währungssicherung haben. Diese wurde aufgrund der Bewertungs­unterschiede auch aktiv genutzt – was zumindest kurzfristig zu Lasten der Performance ging. Trendgetrieben könnte der US-Dollar durchaus noch etwas ansteigen. Eine aktive Lockerung der Währungssicherung haben wir bisher nicht vorgenommen. So könnte es in den nächsten Wochen zu Rücksetzern beim US-Dollar kommen. Auslöser könnten beispielsweise massive Verkäufe des US-Dollars durch die chinesische Notenbank sein – ein realistisches Szenario, da die chinesische Währung zum US-Dollar große Verluste verbucht und China der größte US-Gläubiger außerhalb der USA ist.  Auch das  Bewertungsgefälle vom Euro  zum US-Dollar  ist weiter angestiegen, was unsere Entscheidung stützt.

Aktienmarkt:

Nachdem die weltweiten Aktienkurse bis Ende Mai freundlich tendierten, kam es (u. a. ausgelöst durch die Befürchtungen um einen sich ver­schärfenden Handelskonflikt) zu Gewinnmitnahmen. Und so finden sich in den Börsenstatistiken in diesem Jahr bisher mehrheitlich Verlierer.

Das fundamentale Umfeld für Aktien ist leicht eingetrübt, jedoch weiter intakt. Auch die vergleichsweise günstigen Aktienbewertungen sprechen mittelfristig für ein Aktienengagement. Seit dem Jahresbeginn haben sich US-Aktien besser entwickelt als europäische und asiatische Werte.

Hauptursächlich für diese Entwicklung war das „Steuergeschenk“ der USA an die US-Unternehmen und US-Haushalte. Europäische und asiatische Aktien sind noch immer günstiger bewertet als US-Titel. Mittelfristig sollten sich die Bewertungsunterschiede wieder angleichen.

Insgesamt sprechen die Unternehmensgewinne und die sowohl im historischen Vergleich günstigen globalen Aktienbewertungen, als auch die im Vergleich zu den Anleihemärkten (selektiv) günstigen Bewertungen für Aktienengagements.

Anleihemarkt:

Mit Ausnahme weniger Anleihe-Segmente – wie zum Beispiel dem als „sicheren Hafen“ geltenden deutschen Anleihemarkt, kamen Zinspapiere global unter Druck. Verantwortlich hierfür waren Verkäufe aus hoch­verzinslichen Anleihen bzw. steigende Risikoprämien. In Europa trennte sich die Spreu vom Weizen. So brachen beispielsweise italienische Staatsanleihen im Zuge der Bildung einer neuen Regierungskoalition ein, während sich Bundesanleihen positiv abhoben. In den USA setzte sich die Entwicklung fort, dass zwar die kurzfristigen Zinsen im Zuge der erneuten Leitzinsanhebung stiegen, die langfristigen Zinsen bei den zehnjährigen Anleihen sind jedoch von ca. 3,1 auf 2,8 Prozent gefallen.

Wie im letzten Quartal, gehen wir auf Sicht der nächsten 3 bis 6 Monate weiter von deutlich unterhalb der historischen Mittelwerte liegenden Zinsen aus.