Finanzmarktbericht

13.12.2017

Jahresrückblick 2017

Das Jahr 2017 geht als eines der schwankungsärmsten „Börsenjahre“ in die Geschichte ein. Schwankungen gingen eher von den Währungen, insbesondere vom erstarkten „Euro“ aus. Seit Jahresbeginn 2017 verlor der US-Dollar zum Euro rund 12 Prozent, der Schweizer Franken notiert ca. 9 Prozent schwächer. Da der Euro zu den meisten Währungen deutlich zulegen konnte, empfiehlt sich bei der Ergebnisanalyse von internationalen Vermögensanlagen ein genauer Blick auf die Ergebnisse vor bzw. nach Währungsumrechnung. Beispielsweise erzielte der „USA lastige“ Weltaktienindex „MSCI World (EUR)“ vom 01.01. bis zum- 07.12.2017 ein ansehnliches Plus von ca. 7 Prozent, der in US-Dollar berechnete „MSCI World Index (USD)“ lag bei 19 Prozent.

Leider wird die gute Indexperformance im Falle der USA nur von wenigen Werten getragen (geringe Marktbreite). Inzwischen liegen die Aktienbewertungen dort relativ hoch und die Stimmungsindikatoren und zunehmende Börsenkredite deuten auf eine Börseneuphorie hin. Ein etwas anderes Bild sehen wir in Europa und in Japan, wo die Börsenbewertungen deutlich niedriger sind. Aus Sicht der deutschen Aktienbörse besonders hervorzuheben ist die freundliche Tendenz – welche vor dem Hintergrund der gescheiterten Jamaika-Koalition und den nachfolgend zähen Verhandlungen um eine große Koalition nicht unbedingt zu erwarten war. Diese auf politische Ereignisse relativ gelassenen Börsen geben Hoffnung für das Börsenjahr 2018. 

Beim Thema „Zinsprognose“ lagen viele Experten schlichtweg falsch – allen voran die US-Notenbank (FED), die noch vor einem Jahr eine raschere Zinswende in Aussicht stellte. Dies und gefallene Inflationserwartungen in den USA könnten der Grund dafür sein, warum die Leitzinsen zwar angehoben wurden, die langfristigen Zinsen jedoch bisher nicht mit angestiegen sind. So notiert die zehnjährige US-Staatsanleihe mit 2,36 Prozent heute sogar niedriger als vor einem Jahr - ähnliches Bild in Deutschland, wo die zehnjährige Bundesanleihe von 0,6 Prozent im Juli 2017 bis auf 0,3 Prozent (Anfang Dezember) zurückfiel.

Erwartungen für das Jahr 2018:

Aus Sicht der Bundesrepublik Deutschland war der Ausblick selten so gut wie heute: Auf Jahressicht sei sogar das Einhalten der EU-Defizitgrenze für Deutschland möglich. Dies würde ein Absenken der Staatsschuldenquote von ca. 80 Prozent (zu Hochzeiten der Finanzkrise) auf 60 Prozent bedeuten. Mit dem Akzeptieren eines „Nullzinses“ hat der deutsche Sparer seinen Teil zur Entschuldung beigetragen. Die fallende deutsche Schuldenlast und die gut laufende Konjunktur qualifizieren Bundesanleihen weiterhin als „sicheren Hafen“ bzw. Zufluchtsmarkt.

Sollte sich bei den im Frühjahr 2018 anstehenden Parlamentswahlen des „EU-Sorgenkindes“ Italien (erwartete Staatsschuldenquote 2018 ca. 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes) eine Euro feindliche Mehrheit finden, könnten die zehnjährigen Bundesanleihen sogar nochmals negativ rentieren – mit entsprechend positiven Kurseffekten. Für den Fall, dass die Italienwahl „europafreundlich“ ausgeht und Europa den im Jahr 2016 eingeschlagenen Weg erhöhten Wirtschaftswachstums, leicht steigender  Inflation und fallender Arbeitslosenraten bestätigt, sind zum Jahresende 2018 leicht höhere Zinsen zu erwarten.

Die Industriestaaten-Organisation OECD hat ihre Prognose für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr von 1,7 auf 2,2 Prozent, für 2018 von 2,0 auf 2,3 Prozent (Eurozone 2,1 Prozent, USA 2,2 Prozent) angehoben. Die Konjunkturbelebung im Euroraum kurble die Exporte und die Unternehmensinvestitionen an. Zudem würden niedrige Arbeitslosigkeit und Lohnzuwächse den privaten Konsum stützen. Die OECD-Prognose für das globale Wirtschaftswachstum beträgt 3,7 Prozent (3,6 Prozent für das Jahr 2017).

Sollten sich die Wirtschaftsprognosen bestätigen, bietet das globale Marktumfeld anhaltend niedriger Zinsen und attraktiver Unternehmensgewinne gute Voraussetzungen sowohl für globale Anleihen – vor allem inflationsgeschützte Anleihen - und gute Chancen für den globalen Aktienmarkt

Zusammenfassung der wichtigsten Trends aus unserer Anlageausschuss-Sitzung der Vermögensverwaltung vom 07.12.2017:

Auch in diesem Quartal positionierte sich unser Anlageausschuss der FP Asset Management GmbH für unsere Mandanten zu den verschiedensten Anlageklassen. Überlegungen zu regionalen und branchenspezifischen Chancen/Risiken sowie Währungsüberlegungen wurden analysiert:

Aktien:

Die technische Verfassung an den globalen Aktienmärkten hat sich im vierten Quartal bestätigt. Entsprechend haben wir die Aktienquoten auf unverändert hohen Niveaus gelassen. Nach wie vor positiv ist unsere Einschätzung zum deutschen Aktienmarkt, der von anhaltend  guter Konjunktur und niedrigen Zinsen profitiert. Auch der gesamteuropäische Aktienmarkt ist weiterhin aussichtsreich. Da jedoch die Marktbreite eingeschränkt ist (ähnlich dem US-Aktienmarkt; wenige Aktien ziehen die Indizes nach oben), tendieren wir hier zu aktiven Investmentansätzen (gezielte Investition in aussichtsreiche Werte, anstatt der Investition in einen Europa-Index). Wie schon im vergangenen Quartal, zeigt sich unser Anlageausschuss dem japanischen Aktienmarkt positiv gegenüber. Der Nikkei Index erzielte im vierten Quartal ein Zwanzigjahreshoch. Aufgrund der Währungskomponente (Einbruch des japanischen Yen zum Euro seit Jahresbeginn ca. 9 Prozent) sollte ein entsprechendes Investment mit denen anderer Währungsblöcke kombiniert werden. Positive Trends sehen wir auch in den meisten Schwellenländern. Hier setzen wir auf vorrangig dividendenstarke Konsumtitel.

Anleihen:

Deutsche Staatsanleihen (Bundesanleihen) zeigen im vierten Quartal einen klar positiven Trend. In Erwartung einer anhaltend lockeren Zinspolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB), dürfte die Nachfrage nach Bundesanleihen weiter anhalten. Anders in den USA, wo weitere Zinserhöhungen zumindest zeitweise Druck auf die Anleihekurse ausüben könnten. Bundesanleihen rangieren im FPAM Anleihe-Ranking kurzfristig an erster Stelle, gefolgt von den Schwellenländeranleihen und Unternehmensanleihen mit solidem Rating.

Währungen:

Bei den Währungen sollte Anfang 2018 etwas Ruhe einkehren. Ähnlich große Währungsausschläge wie im Vorjahr wären beim Euro zum US-Dollar bspw. dann zu erwarten, wenn die USA die Zinsen drastisch erhöhen oder die italienischen Parlamentswahlen Europa in eine neuerliche Krise schicken. Diese Fälle würden, im Gegensatz zum Jahresbeginn 2017, eine Euroschwäche auslösen. 

Edelmetalle:

Der Goldpreis (in US-Dollar) hat das Potenzial, auch im dritten Jahr infolge zu steigen. Die Rahmenbedingen für einen Anstieg des Goldpreises sind aufgrund der global expansiven Geldpolitik gut. Zudem haben sich Gold und Silber in überraschenden Krisen meist gut geschlagen (Versicherung für schlechtere Zeiten).