Finanzmarktbericht

02.10.2017

Die Aufmerksamkeit der Kapitalmarktteilnehmer richtete sich auch im abgelaufenen Quartal auf die Zentralbanken. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB), als auch die US-Notenbank (FED) erklärten in ihren September-Sitzungen, vorerst nicht an der Zinsschraube zu drehen. Dennoch werde man den Markt perspektivisch mit weniger Liquidität versorgen.

Die US FED gab bekannt, ihr Anleihe-Portfolio ab Oktober zunächst um monatlich 10 Mrd. US-Dollar zu reduzieren und kündigte noch einen Zinsschritt in diesem Jahr an. Von einem solchen Schritt ist die EZB noch weit entfernt. Ab dem Jahr 2018 plant sie lediglich den Betrag für das Anleihe-Kaufprogramm zu reduzieren. Entscheidende Botschaften sendeten die Notenbanker „zwischen den Zeilen“ aus. So sind sich die Zentralbanken darin einig, dann geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen, falls ihre Erwartungen nicht eintreten. Die ursprünglichen Erwartungen für das Jahr 2017 konnte die US Notenbank nicht halten. Sie wird das Jahr 2017 voraussichtlich mit nur zwei anstatt geplanten vier Zinsschritten beenden. Stark steigende US-Zinsen sind derzeit nicht zu erwarten. Dies untermauern auch rückläufige Neubaubeginne und der gefallene Automobilabsatz.

Erfreulicher Rückenwind für die Weltkonjunktur geht von den neuesten Zahlen zum Welthandel aus. Die WTO schraubte ihre Prognose für das Jahr 2017 kürzlich von plus 2,4 auf 3,6 Prozent nach oben. Im vergangenen Jahr betrug das Welthandelswachstum nur 1,3 Prozent. China habe mit starkem Wachstum die Im- und Exporte in ganz Asien beflügelt. Zudem sei der Einfuhrbedarf in den USA gestiegen. Basis für den Optimismus sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP), welches in den meisten größeren Volks­wirtschaften im 2. Quartal anzog. Die WTO geht von einem weltweiten BIP-Wachstum von 2,8 Prozent aus, nach 2,3 Prozent im Jahr 2016.

An dieser Stelle sei nochmals auf die seit geraumer Zeit rückläufige Dynamik der Arbeitsproduktivität in den meisten Industriestaaten hingewiesen, die reale BIP-Wachstumsraten von fünf Prozent und mehr nahezu illusorisch erscheinen lassen.

Für die europäische Exportwirtschaft ist die weitere Entwicklung des Euro von Bedeutung. Analystenmeinungen zufolge hätten erst Eurokurse von nachhaltig über 1,22 US-Dollar spürbaren negativen Einfluss auf die europäische Wirtschaft.

Das niedrige Zinsniveau auf der einen Seite und solide Weltwirtschaftsdaten auf der anderen Seite sorgen für positive Börsenaussichten.

Das beste technische und monetäre Grundfundament sehen wir beim deutschen Aktienmarkt. Der gesamteuropäische Aktienmarkt ist selektiv interessant. Der US-Aktienmarkt ist weiter hoch bewertet. Auf die enttäuschende Wirtschaftspolitik der US-Regierung und die fehlende „Marktbreite“ des positiv unterstützten US-Aktienmarktes hatten wir bereits hingewiesen. Günstiger bewertet ist der asiatische Aktienmarkt, vor allem auch Japan.

Im Anleihe-Sektor bevorzugen wir noch immer internationale Unternehmensanleihen mit guten Ratings, wenngleich sich eine Zinswende andeutet. Mit kurz laufenden US-Treasury Bonds (US-Staatsanleihen) und Schwellenländer-Anleihen setzen wir vereinzelt auf Kurs- bzw. Währungsgewinne.