Finanzmarktbericht

01.10.2016

Die Entwicklung an den Zins- und Aktienmärkten dürfte zukünftig noch stärker als bisher von geldpolitischen Maßnahmen internationaler Notenbanken abhängen.  

Nach Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) sind diese Maßnahmen bei Weitem nicht ausgeschöpft. Ob und in welchem Maße das geldpolitische Experiment zur langfristigen Stabilisierung des Finanzsystems und der Sicherung des Wohlstands beiträgt, ist ungewiss. Im Falle der japanischen Notenbank (BOJ) kann festgestellt werden, dass die lange Phase expansiver Geldpolitik nicht den gewünschten Erfolg brachte. Weder das Inflationsziel von zwei Prozent, noch eine Abnahme der Staatsverschuldung wurden erreicht. Mit diesem Wissen scheint der jüngst veröffentlichte japanische Plan, die Inflation durch flexiblere monetäre Steuerungsmaßnahmen sogar nachhaltig über zwei Prozent zu treiben, sehr ehrgeizig zu sein.

Ob sich die Europäer und die US- Amerikaner mittelfristig am japanischen Plan orientieren und beispielsweise auch Aktien kaufen, um die Märkte zu stützen, ist genauso fraglich, wie ein noch konsequenteres Eingreifen in die Zinsstruktur. Die europäischen Banken ihrerseits beklagen diese Zinspolitik, da diese die Zinsgewinne der Banken abschmelzen lassen - ursprünglich sollten die Maßnahmen das Bankensystem stabilisieren. Die von der FINANCIAL PLANNING vielfach erwähnten nötigen Strukturreformen und Investitionsprogramme wurden bisher nicht bzw. nicht in ausreichendem Maße ergriffen. Zu inhomogen erscheinen die Motive der EU-Staaten.

Zusätzlich zu den im Jahre 2017 anstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, dürfte das britische Austrittsgesuch aus der EU wieder an Brisanz gewinnen. Es ist davon auszugehen, dass sich an den formellen Austrittsantrag Großbritanniens zahlreiche Forderungen anschließen. Die Verhandlungen dürften sehr leidenschaftlich geführt werden. Es geht um viel Geld sowie um die Neuordnung der politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse in Europa.

Bei den noch in diesem Jahr stattfindenden Präsidentschaftswahlen in den USA deuten sich aktuell nahezu ausgeglichene Machtverhältnisse beider großen Parteien an. Großen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen dürften die Wirtschaftsdaten in den USA haben. Die Datenlage hatte sich in den Sommermonaten eingetrübt – entsprechend sind die Umfrageergebnisse von Hillary Clinton (Demokratische Partei) gegenüber Donald Trump (Republikaner) gefallen.

Unser „großes Bild“ einer lang anhaltenden Niedrigzinsphase und einer   Vermögenspreisinflation besteht im aktuellen Marktumfeld unverändert fort. Aus den für das Jahr 2016 angekündigten vier Leitzinserhöhungen in den USA, wurde bisher keine Zinserhöhung realisiert. Sowohl die Industrieproduktion, als auch der Dienstleistungssektor zeigen sich schwächer. Hinzu kommt, dass die US-Erzeugerpreise im Monat August um 1,4 Prozent gefallen sind. Rechnet man die Mietsteigerungen aus den Inflationszahlen in den USA heraus, ergeben sich aktuell sogar leicht deflationäre Tendenzen in den USA. Vor diesem Hintergrund halten wir mittelfristig sogar Zinssenkungen bzw. eine Rückkehr zu einer expansiveren Geldpolitik in den USA nicht für ausgeschlossen.